
Wer die Depots und Archive eines Museums durchstreift, kann auf Dinge stoßen, nach
denen er gar nicht gesucht hat. Ein unbekanntes Gesicht, eine ungewöhnliche Geste, eine
vertraute Landschaft oder eine überraschende Form wecken die Aufmerksamkeit und
lassen neue Verbindungen entstehen. Dieses „glückliche, ungeplante Finden“ bezeichnet
der englische Begriff „Serendipity“: Entdeckungen, die sich nicht erzwingen lassen,
sondern aus Neugier, Zufall und einem aufmerksamen Blick erwachsen.
Dem Kunstverein Pirmasens ist gelungen, den international renommierten Bildhauer
Stephan Balkenhol (*1957) zu gewinnen, der für seine Ausstellung „Serendipity“ im
Forum Alte Post Zugang zu den Beständen des mpk, des Museums Pfalzgalerie
Kaiserslautern, erhielt. Er durchstreifte mit seiner Familie die Sammlung und wählte Werke
aus, die seine Neugier weckten und überraschende Beziehungen zu seinem eigenen
Schaffen eröffneten. Zu den Fundstücken zählen u. a. eine Messingbüste von Hugo Ball,
ein Selbstbildnis von Renée Sintenis, ein Torso von Wilhelm Lehmbruck sowie
Landschaftsgemälde, Genrebilder und Stillleben aus den letzten drei Jahrhunderten.
Diesen Werken stellt der Künstler seine charakteristischen, aus dem Holz geschlagenen
Figuren und Kopfsäulen, Bronzen und Reliefs gegenüber. So entstehen ungewöhnliche
Konstellationen jenseits kunsthistorischer Chronologien: Gesten und Haltungen finden
über Jahrhunderte hinweg ein Echo, Formen und Blicke treten in Beziehung, scheinbar
Fremdes offenbart überraschende Verwandtschaften. Balkenhols Figuren werden dabei
zu Beobachtern und treten in einen stillen Dialog mit den historischen Werken.
Aus dieser persönlichen Auswahl des bekannten Bildhauers entsteht ein eigenwilliges
Kabinett in den Ausstellungsräumen des Forums Alte Post in Pirmasens – in Kooperation
mit dem mpk und initiiert durch den Kunstverein. Die Werke werden nicht nach Epochen
oder Gattungen, sondern nach ihren möglichen Beziehungen zueinander
zusammenfinden. Mit „Serendipity“ macht Stephan Balkenhol das glückliche
Entdecken zum Ausgangspunkt seiner Ausstellung, die vertraute Kunstwerke in
ungewohnten Zusammenhängen zeigt und dazu einlädt, auch für den Betrachter
überraschende Verbindungen zu entdecken. Denn manchmal genügt eine neue
Nachbarschaft, um etwas sichtbar werden zu lassen, das zuvor verborgen blieb.
Vernissage am Freitag, 27. November 2026, um 19 Uhr im Forum ALTE POST